GROßVENEDIGERTOUR

15. 11. 2018


GROßVENEDIGERTOUR

15. NOVEMBER 2018

 

Wer gerne in den Bergen unterwegs ist, kennt das. Es gibt immer gewisse Touren und Berge, welche einen seit Jahren locken und so hatten Sarah, unser guter Freund Andi und ich schon seit langem vor, endlich einmal zu dritt eine Gletschertour zu gehen. Die optimale Jahreszeit (ca. Juni-August) war inzwischen natürlich vorbei und bevor die Saison endgültig zu Ende war, entschlossen wir uns kurzfristig dieses gemeinsame Projekt endlich einmal anzugehen. Gesagt getan, innerhalb kurzer Zeit stand der Plan und dann ging es für vier Tage los.

 

Schweren Herzens packte ich nur einen kleinen Teil meiner Nikon Ausrüstung ein. Denn Lebensmittel für drei Tage, sowie Ausrüstung und Kleidung bei mäßiger Wetterlage schränkten das Volumen des Rucksackes doch deutlich ein. Das bin ich zwar von anderen Touren schon gewöhnt, aber 3666m sind doch eine etwas andere Nummer. Da können 30 kg auf dem Rücken dann doch einmal zu viel sein. Außerdem war das oberste Ziel ausnahmsweise nicht, tolle Aufnahmen zu machen, sondern einfach einmal in Ruhe mit Freunden zu genießen.

 

Bereits auf dem Weg zur Prager Hütte entdeckte ich einige schöne Plätze für fantastische Landschaftsaufnahmen und mein fotografischer Ehrgeiz wurde geweckt. Jedoch war Abendbrot auf der Hütte geplant und nun ja, ich hatte mir ja etwas vorgenommen …

 

Ein paar Bilder mussten allerdings sein und so entstand mein Lieblingsbild, "Grasen am Abgrund". Es zeigt zwei Schafe welche auf einer grünen Bergwiese friedlich grasen, während sich im Hintergrund ein großes Gletscherloch wie ein Trichter in den Abgrund auftut. Entstanden ist der Gletschertrichter vermutlich durch einen Gletscherbach und warme Luftzirkulation, welche eine Höhle ausspülten. Die Tiefe lässt sich nur erahnen und beträgt sicherlich knapp 40 m.

 

 

An der Neuen Prager Hütte angekommen wurden wir nicht gerade herzlich willkommen geheißen. Erstens waren wir recht spät dran und zweitens hatten wir zwar Übernachtungen gebucht, jedoch ist es inzwischen wohl nicht mehr Standard einfach ein normales Bergsteigeressen zu bestellen, sondern wir waren unter all den Gästen die einzigen ohne Halbpension und hätten unseren einfachen "Sonderwunsch" eines Bergsteigeressens wohl vorher anmelden müssen. Nun, einerseits bei der Menge an täglichen Gästen natürlich verständlich, andererseits fand ich es persönlich etwas erschreckend. Mein letzter Hüttenbesuch (von gelegentlichem Kaiserschmarrn und Radler abgesehen) war schon ein paar Jahre her und ich hatte nicht erwartet, eine Art Hotel mit Schlafsaal vorzufinden. Das Bergsteigeressen fiel dementsprechend auch etwas mager und lieblos aus und ich freute mich auf ein gemeinsames und unabhängiges Frühstück mit Kaffee und gutem Müsli am nächsten Morgen am Fuße des Gletschers.

 

Während die meisten Übernachtungsgäste noch in den Federn lagen, schlich ich mich kurz vor Sonnenaufgang aus der Hütte und genoss eine wolkenlose Morgenstimmung. Diese war zwar an sich fotografisch nicht sehr reizvoll, tauchte jedoch den Schlatenkees in Richtung Großvenediger in ein warmes, goldenes Licht.

 

 

Ein später Start gewährte uns die Freiheit fast alleine unterwegs zu sein. Nach dem erhofften genussvollen Frühstück vor dem Einstieg auf den Gletscher, wurden die Gurte angelegt, Steigeisen angeschnallt und als Dreierseilschaft der Gipfelsturm begonnen.

 

Nach ungefähr 2 Stunden Marsch, konnten wir dann in der Ferne auch das erste Mal den Gipfel erkennen und erreichten nach einiger Zeit den Gipfel mit seinen 3666m.

 

 

 

Der Abstieg zum Defreggerhaus (2.962m) war ein wunderschöner Abschnitt der Tour. Als letzte Seilschaft unterwegs, konnten wir in Ruhe den Weg und die Aussicht genießen und hatten den als Äußeren Mullwitzkees benannten Gletscher für uns alleine. Tiefe Spalten und eine dunkel aufziehende Wolkenstimmung ergaben ihren eigenen Reiz und es juckte mir in den Fingern, eine ausführliche Fotosession einzulegen. Jedoch mussten wir langsam weiter, denn wer zu spät zur Hütte kommt, bekommt nichts mehr zu Essen. Ich plante, nach der Ankunft bei der Hütte noch einmal mit meiner Kamera ein Stück hoch zu gehen. Daraus wurde nichts, denn dass Essen dauerte zwei Stunden und das schöne Abendlicht ließ sich nur hinter den schweren Hüttenfenstern erahnen. Nun, ich habe meine Lehre daraus gezogen und werde wohl meinem Schlafsack und Isomatte treu bleiben.

Am nächsten Morgen konnte ich das Defreggerhaus wenigstens noch in einem beeinduckenden Morgenlicht festhalten. Aufgrund eines Wetterumbruchs und Gewitterwarnungen mussten wir an diesem Tage dann unsere Tour frühzeitig abbrechen. Nachdem von mehreren Seiten dringend davon abgeraten wurde, weiterzugehen, entschieden wir uns abzusteigen und die Tour entspannt zu beenden. Trotz meiner Enttäuschung über das häufig so hoch gelobte Hüttenfeeling, war es eine sehr schöne Tour und sie hat bei uns dreien einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

 

 

 

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